Kindesunterhalt nach Düsseldorfer Tabelle | Artvocati
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Kindesunterhalt

Der Kindesunterhalt wird regelmäßig standardisiert berechnet. Es gibt den Grundsatz, dass der Bedarf eines Kindes aus zwei wesentlichen Komponenten besteht. Zum einen aus Betreuung, Erziehung Versorgung, zum anderen aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Beide Komponenten sind personenbezogen, da Eltern den gesamten Bedarf des Kindes erfüllen müssen. Leben sie zusammen, erbringen sie diese Leistungen gemeinsam. Trennen sie sich, ändern sich die Dinge. 

Bedarfserfüllung des Kindes nach Trennung

Außerhalb eines Wechselmodells lebt ein Kind dann (überwiegend) bei einem Elternteil. Dieser Elternteil erfüllt nunmehr den kindlichen Bedarf durch Betreuung und Versorgung. Zahlen muss der andere Elternteil für das Kind, damit Kleidung und Lebensmittel gekauft werden können. Der gesamte Bedarf des Kindes wird also nach einer Trennung aufgeteilt von den Eltern erbracht. Einer zahlt, einer betreut.

Lebensmittelpunkt ist entscheidend

Der Streit über den Lebensmittelpunkt des Kindes nach Trennung ist damit vorprogrammiert. Hintergrund ist die mit dem Verlust der täglichen Betreuungs- und Versorgungsleistung verbundene Barunterhaltspflicht. Hinzukommen wenig auskömmliche Umgangskontakte, also faktisch ein radikaler Bruch mit der bisherigen familiären Rolle und Funktion. Außerdem kann der betreuende Elternteil aufgrund eigener Betreuungsleistungen seine Erwerbstätigkeit einschränken und erhält dafür auch noch eigenen Betreuungsunterhalt. Das wird als ungerecht empfunden. 

Jeder Elternteil erklärt deshalb unserer Erfahrung nach, gleichgut – und besser – zur täglichen Versorgung und Betreuung geeignet zu sein. Für diese aus vielerlei Gründen richtungsweisende Entscheidung werden häufig Familiengerichte bemüht. Im Vorfeld ist noch versucht worden, mittels paritätischer Betreuungsabsprachen möglichst wenig Zugeständnisse zu machen, um die eigene Ausgangsposition nicht zu beeinträchtigen. Das Kindeswohl wird argumentativ von beiden Seiten bemüht. Einst harmonisch-liebevoller Umgang mutiert zum Rosenkrieg

Düsseldorfer Tabelle

Konnte der Lebensmittelpunkt bestimmt werden, steht die Barunterhaltspflicht des nicht betreuenden Elternteils fest. Die Höhe seiner Verpflichtung zum Kindesunterhalt wird bundesweit anhand der Düsseldorfer Tabelle ermittelt. Diese sieht 10 bestimmte Einkommenskorridore vor, in welche der zahlungspflichtige Elternteil anhand seines darzulegenden Einkommens eingestuft wird. Auch bei diesem Vorgang kommt es immer wieder zu streitigen Auseinandersetzungen, v. a. wegen Abzugsposten, die in ihrer Relevanz und Höhe unterschiedlich bewertet werden. 

Steht schließlich das relevante bereinigte Nettoeinkommen fest, folgt aus den 4 Altersstufen der Düsseldorfer Tabelle die Höhe des monatlichen Kindesunterhalts.

Abzug von Kindergeld

Von diesem Tabellenunterhalt wird aber noch die Hälfte des staatlichen Kindergeldes abgezogen. Es wird an den betreuenden Elternteil ausgezahlt, hat aber eine bedarfsdeckende Funktion für das Kind. Da die beiden Komponenten des kindlichen Bedarfs – Betreuung und Barunterhalt – nach Trennung zwischen den Elternteilen aufgeteilt werden, wird auch das Kindergeld zwischen ihnen geteilt. Eine Hälfte reduziert folglich den zu zahlenden Barunterhalt. Aus Vereinfachungsgründen gibt es deshalb eine weitere Düsseldorfer Zahltabelle, in der die tatsächlichen monatlichen Zahlbeträge des Kindesunterhalts aufgeführt sind. 

Ändert sich die Kindesunterhaltshöhe durch erweiterte Umgangskontakte?

Eine Frage hören wir in Beratungsgesprächen in diesem Zusammenhang regelmäßig: Ändert sich die Unterhaltshöhe, wenn und weil ich häufig Umgänge wahrnehme, mein Kind dann bei mir schläft, ich es also an 8-14 Tagen im Monat selbst unter Entlastung des anderen Elternteils versorge und betreue? Wir müssen das leider verneinen. Ohne ein paritätisches Wechselmodell hat das Kind einen Lebensmittelpunkt, und dieser liegt beim anderen betreuenden Elternteil. Deshalb wird nach der derzeit noch maßgeblichen Rechtsprechung von einer uneingeschränkten Barunterhaltspflicht ausgegangen. Es gibt einige wenige Ausnahmen, die im Einzelfall zu einer leichten Korrektur führen können. Sie können sich dementsprechend gerne von uns beraten lassen.